Historische Bausubstanz verstehen – Erdbebensicherheit realistisch nachweisen
Das Kunsthistorische Museum Wien ist nicht nur ein Bauwerk von aussergewöhnlicher kultureller Bedeutung, sondern auch eine anspruchsvolle ingenieurtechnische Aufgabe. Seine historische Tragstruktur besteht aus Mauerwerk sowie unterschiedlichen Deckensystemen – darunter Gewölbe- und Holzbalkendecken. Ziel des Projekts war es, die vorhandenen Tragreserven möglichst realistisch zu erfassen und die Erdbebensicherheit zuverlässig nachzuweisen.
Gemeinsam mit der Gschwandtl & Lindlbauer ZT GmbH konnten wir zeigen, welchen entscheidenden Beitrag unsere Software 3muri bei der Beurteilung historischer Mauerwerksbauten leisten kann. Das erfahrene Ingenieurbüro brachte sein fundiertes Verständnis bestehender Tragwerke in das Projekt ein und bildete die komplexe Gebäudestruktur detailliert in 3muri ab.
Klassische lineare Berechnungsverfahren führen bei historischen Gebäuden häufig zu konservativen Ergebnissen. Dadurch können Verstärkungsmassnahmen erforderlich erscheinen, obwohl das bestehende Tragwerk noch über nutzbare Reserven verfügt. Mit dem verformungsbasierten, nichtlinearen PushOver-Verfahren von 3muri konnten das tatsächliche Materialverhalten des Mauerwerks und die unterschiedlichen, teilweise schubweichen Deckensysteme wesentlich wirklichkeitsnäher berücksichtigt werden.
Für uns bei Ingware steht dieses Projekt beispielhaft für eine verantwortungsvolle und intelligente Tragwerksplanung: Bestehende Strukturen sorgfältig verstehen, vorhandene Reserven nutzen und bauliche Eingriffe auf das tatsächlich notwendige Mass reduzieren. So lassen sich Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und der respektvolle Umgang mit wertvoller historischer Bausubstanz miteinander verbinden.
Im Video geben Dr. Wolfgang Lindlbauer und Dipl.-Ing. Gerhard Gschwandtl von der Gschwandtl & Lindlbauer ZT GmbH einen persönlichen Einblick in das Projekt und zeigen, wie 3muri bei der Berechnung des Kunsthistorischen Museums Wien eingesetzt wurde.